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Ewigkeit (3): Die Hölle - nur ein grausames Hirngespinst?

Die meisten Menschen finden der Vorstellung von einer Hölle zutiefst verwerflich. Sie passe vielleicht in das dunkle Mittelalter, aber habe in unserer heutigen, aufgeklärten Zeit nichts verloren. Doch so sehr es uns auch missfällt - in Wahrheit haben wir es bei der sogenannten Hölle mit einer tiefen menschlichen Sehnsucht zu tun: der Frage nach Gerechtigkeit und der Vernichtung von allem Bösen.


Eine Hand, die von Dunkelheit umgeben ist.

Ich kann mir kein Thema vorstellen, mit dem ich mich nicht lieber auseinandersetzen würde. Es bereitet mir keine Freude, über die Hölle zu schreiben. Der Grund ist offensichtlich: Kein normaler Mensch würde sich freiwillig mit einem Ort beschäftigen, an dem Menschen scheinbar für immer und ewig leiden. Hinzu kommt meine persönliche Biografie, die davon gebrandmarkt ist, dass mir nahestehende Personen - soweit ich es aus meiner begrenzten Perspektive sagen kann - verstorben sind, ohne sich für die Liebe und Rettung Gottes geöffnet zu haben.


Wieso schreibe ich diesen Artikel dann? Immerhin gibt es wohl nichts, auf das die meisten Menschen, inklusive einiger Christen, so allergisch reagieren, wie auf die Hölle bzw. allgemein die Vorstellung von einem Gericht und einem zornigen Gott. Deshalb ist es kein Wunder, dass das Thema sowohl in der säkularen Gesellschaft als auch in vielen Kirchen immer stärker verdrängt wird. Doch die brennende Frage lautet: Existiert die Hölle überhaupt? Wenn ja, wäre es fatal, die Augen davor zu verschließen. Wenn nein, wäre es höchste Zeit, jeglichen Gedanken daran ein für alle Mal hinter uns zu lassen.


Wir schauen uns also an, was Gottes Wort wirklich über das Schicksal derjenigen lehrt, die sterben, ohne mit Gott - durch seinen Sohn Jesus Christus - Frieden geschlossen zu haben.


Gott und seine Gerechtigkeit


Die Frage nach der Hölle ist untrennbar mit der Frage nach Gott verbunden. Immer wieder begegnen einem die schwerwiegenden Vorwürfe: Wer muss dieser Gott sein, der so etwas grauenvolles zulassen kann? Wie ist die Vorstellung einer Hölle mit einem Gott vereinbar, von dem Christen behaupten, dass seine herausragende Eigenschaft die Liebe ist?


Ich kann das nachvollziehen. Doch wenn uns die Bibel vor etwas warnt, dann davor, uns einen Gott nach unseren eigenen Vorstellungen zu erschaffen (Ex 20,2-6; Jes 40,18; Röm 1,23). Einen Gott, mit dem wir besser zurechtkommen, weil er uns und unserer Einschätzung von Gut und Böse ähnelt (vgl. Ps 50,21). In Jes 55,8-9 wird jedoch deutlich, dass Gottes Wege und Gedanken unfassbar viel höher sind als wir Menschen es erfassen können. Gott ist also ganz anders, als wir ihn uns normalerweise vorstellen. Er ist der vollkommen heilige - also perfekte und sich von der ganzen Schöpfung unterscheidende - Gott (Jes 6,3; Offb 4,8-11), vor dem nichts Böses bestehen kann (Hab 1,13).


Von diesem Gott heißt es außerdem, dass er die Gerechtigkeit in Person ist (Dtn 32,4; Ps 33,5; Röm 9,14) - was als überaus positive Eigenschaft wahrgenommen wird. Ganz einfach deshalb, weil eine gerechte Person fair ist, sich für die Schwachen einsetzt, nach ethischen Prinzipien handelt und die Ungerechtigkeit bekämpft. All das ist in Gott zu finden. Ja, die Welt erscheint oft alles andere als gerecht, aber wir dürfen nicht denken, dass Gott dem gleichgültig gegenübersteht.


Ganz im Gegenteil: Noch ist er geduldig mit den Menschen, damit sie Gelegenheit dazu haben, sich von allem Schlechten abzuwenden und bei Gott Vergebung zu empfangen (Röm 2,4; 2Pet 3,9). Doch eines Tages wird er allem Bösen ein Ende bereiten und jede einzelne Person zur Verantwortung für ihr Leben ziehen (Pred 12,14; Apg 17,31; 2Kor 5,10). Für uns ist das sehr wichtig zu verstehen: ein gerechter Gott muss das Ungerechte bestrafen, andernfalls wäre er selbst nicht gerecht. Wenn ein menschlicher Richter gleichgültig gegenüber einem Serienvergewaltiger oder Mörder wäre, müsste man ihn von seinem Amt entheben. Er wäre alles andere als gut.


Wir dürfen in unserem Gottesbild also nicht einseitig werden, wie es heutzutage oft der Fall ist. Unsere Gesellschaft spielt die Liebe Gottes gerne gegen seine Gerechtigkeit und seinen Zorn über das Böse aus, und hält diese Aspekte für unvereinbar. Diese Einschätzung entspricht zwar dem heutigen Zeitgeist, der bedingungslose Toleranz für alles und jeden fordert, aber lässt sich nicht in Einklang mit dem Gott der Bibel bringen. Bei ihm haben wir es zwar ohne jede Frage mit einem unfassbar gnädigen Gott zu tun, doch das steht in keinerlei Widerspruch zu seiner Heiligkeit.


Vielmehr ist es die Güte Gottes, die ihn dazu veranlasst, zornig auf das Böse zu sein und es auch entsprechend zu bestrafen. Seine Liebe zum Guten geht einher mit seinem Hass auf alles Böse. Wenn wir etwas an die ganzen Verbrechen denken, die Tag für Tag stattfinden - Amokläufe an Schulen, Vergewaltigungen, rassistische Gewalttaten, Menschenhandel und vieles mehr - sind wir vollkommen zurecht zornig darauf. Doch unserer Reaktion liegt Liebe zugrunde. Liebe zu unschuldigen Menschen. Liebe zu dem Guten.


Eigentlich ist diese Gerechtigkeit auch das, wonach wir uns zutiefst sehnen, nicht wahr? Es wäre unerträglich und würde unserer Existenz jeden Sinn absprechen, wenn grausame Menschen wie Adolf Hitler nie zur Verantwortung gezogen werden würden. Der Theologe A.W. Tozer warnte diesbezüglich: "Die vage und dürftige Hoffnung, dass Gott zu freundlich sei um die Gottlosen zu bestrafen, ist zu einem tödlichen Opiat für das Gewissen für Millionen [von Menschen] geworden."¹ In anderen Worten: Wenn Gott nicht richtet, macht man sich auch nichts daraus, ihn und seine Gebote ernst zu nehmen (vgl. Ps 10,4.11; Jer 5,12). Dann muss ja alles erlaubt sein. Doch Gott warnt vor diesem Trugschluss (vgl. Ps 94,2-10).


Der Tag des Gerichts


Wenn Jesus Christus wiederkommt, wird Gott Gericht halten (Mt 25,31-46). Jesus selbst ist dann der Richter, vor dem sich die Menschheit verantworten muss (Joh 5,27-29; 2Tim 4,1). Das müssen wir uns bewusst machen: Es ist der sanftmütige und von Herzen demütige Jesus, der seinen Zorn über das Böse sichtbar werden lässt (Mt 11,29; 2Thes 1,7-9; Offb 6,16-17). Auch das macht deutlich, dass Zorn nicht im Widerspruch zu Liebe steht.


Das Ziel, das Gott dabei verfolgt, ist wie gesagt die endgültige Aufrichtung von Gerechtigkeit. Um dies zu verwirklichen, wird Gott nicht nur Schuld und Unschuld bestimmen, sondern jeden Menschen individuell betrachten und entsprechend bestrafen oder belohnen (Röm 2,6; vgl. Lk 12,47-48). Tatsächlich wird das Gericht von den biblischen Autoren als eine gute Sache betrachtet. Etwas, das es sogar zu feiern gilt (vgl. Ps 98,8). Alles Leid, all die Ungerechtigkeit, Tyrannei, Gewalt, Arroganz und Unterdrückung in dieser Welt werden endlich ein Ende nehmen. Gott wird ein für alle mal über das Böse triumphieren und eine neue Welt der Gerechtigkeit und des Friedens herbeiführen (2Pet 3,13; Offb 21,1-8). Und wer von uns würde sich darüber nicht freuen?


Ich persönlich empfinde die Tatsache, dass es beim Gericht um das Herbeiführen von vollkommener Gerechtigkeit geht, als großen Trost. Gott ist kein Sadist, der nur darauf wartet, seine Geschöpfe zu foltern. Nein, er ist durch und durch gerecht. Und wenn er am sogenannten »Jüngsten Tag« das Urteil über den Einzelnen spricht, wird niemand aufstehen und sagen: Warum so und nicht anders?


Ja, jetzt wirkt das Gericht Gottes auf uns befremdlich und bedrohlich. Zumindest geht es mir oft so. Doch eines Tages wird jeder Mund zum Schweigen gebracht (Röm 3,19), jedes Knie sich vor Gott beugen (Phil 2,10) und wir werden über die Weisheit, Größe und Güte unseres Gottes staunen (Röm 11,33-36). Es wird keinen Zweifel mehr daran geben, dass er alles richtig gemacht hat (vgl. Offb 19,1-5). Wie Abraham dürfen wir uns deshalb auf den vollkommenen Charakter unseres Gottes stützen und uns immer wieder vor Augen führen:


Sollte der Richter der ganzen Erde nicht gerecht richten?

(Gen 18,25; SLT)


Die Vorstellung von der Hölle


Erstmal gibt es zahlreiche Missverständnisse von der Hölle. Bis heute hat sich die mittelalterliche Vorstellung von der Verdammnis als einem Ort, wo die Teufel die Menschen mit dem Dreizack bis in alle Ewigkeit quälen, bei vielen Menschen eingeprägt.² Das ist schlicht unbiblisch. Die Hölle ist auch nicht der Herrschaftsbereich des Satan. Im Gegenteil, er selbst wird gemeinsam mit seinen gefallenen Engeln an diesem Ort bestraft werden (Mt 25,41; Offb 20,10). Und schon gar nicht kann man von einer "Party" sprechen, die dem "langweiligen Himmel" scheinbar vorzuziehen sei.


Was lehrt die Bibel also wirklich? Vielleicht überrascht es dich, aber in der gesamten Schrift hat niemand so häufig über die Hölle gesprochen wie Jesus Christus, die Liebe in Person. Genauer gesagt spricht er im Neuen Testament zwölfmal von der Gehenna³. Damit gemeint ist tatsächlich ein physischer Ort, nämlich das sogenannte »Hinnomtal« südlich von Jerusalem. Dieses Tal galt seit der Zeit des Alten Testamentes als verflucht, weil die Israeliten dort den kanaanitischen Götzendienst praktizierten, der das Opfern bzw. Verbrennen von den eigenen Kindern beinhaltete (Jer 7,31; vgl. 2Kön 16,3; 21,6), was von Gott aufs Schärfste verurteilt wurde (Jer 19,2-6).


Zwar gibt es die populäre Darstellung, dass es sich bei diesem Hinnomtal um die städtische Müllhalde handelte, jedoch gibt es keine wirklichen Belege dafür. Vermutlich beruht diese Vorstellung auf einer mittelalterlichen Legende. Auf jeden Fall wurde dieser Ort bereits in Jes 66,24 sowie in der späteren rabbinischen Literatur als Metapher für den endzeitlichen Bestrafungsort der Verdammten gebraucht. Dasselbe gilt für Jesus: wenn er von der Gehenna sprach, hatten seine Zuhörer die Gerichtsworte Gottes aus dem Buch Jeremia vor Augen (ein ungefährer Vergleich wäre, wenn wir heute von einem bevorstehenden Holocaust sprechen würden). Es war also ein Symbol für ein schreckliches Gericht, dass über die Gottlosen kommen würde.


Der Begriff Gehenna muss jedoch von den Worten »Sheol« (hebräisch) und »Hades« (griechisch) unterschieden werden. Diese werden in einigen Übersetzungen zwar mit Hölle wiedergegeben (z.B. in manchen Lutherübersetzungen), bezeichnen aber lediglich das Totenreich, in dem alle Verstorbenen sind, bis sie von Gott zum Endgericht auferweckt werden (Offb 20,13). Diesbezüglich kann Lk 16,22-26 (Lazarus und der reiche Mann) zwar so verstanden werden, dass es zwei unüberbrückbare »Zustände« im Totenreich gibt: Qual für die Gottlosen, Trost und Ruhe für die Gerechten. Dennoch ist das Totenreich sicherlich nicht dasselbe wie der »Feuersee« (Offb 20,14-15; 21,8), der erst nach dem Tag des Gerichts zur Geltung kommt und der klassischen Vorstellung von der Hölle am ehesten entspricht.


Zurück zu Jesus. Wenn er über den Strafort der Verdammten sprach, verwendete er viele Bilder, um seinen Zuhörern den Ernst der Lage aufzuzeigen und sie zur Buße zu animieren. Er sprach von der Hölle als:



Die Apostel ergänzen diese Vorstellung in ihren Schriften als:


  • Ewiges Verderben und Verbannung von der Gegenwart des Herrn (2Thes 1,9).

  • Qualen des ewigen Feuers (Jud 7).

  • "Wein des Zornes Gottes" sowie ewige Ruhelosigkeit und Qualen durch Feuer und Schwefel (Offb 14,9-10).

  • See aus Feuer (Offb 20,13-15) und voll von brennendem Schwefel (Offb 21,8).


Weitere Details werden nicht genannt und es. steht uns nicht zu, diese Beschreibungen weiter auszuschmücken. Doch wir müssen feststellen: das Neue Testament lehrt anhand verschiedener Bilder, dass es sich bei der »Hölle« um einen schrecklichen Ort mit nie endenden Qualen handelt. Roland Hardmeier folgert: "Wenn die Sprachbilder, die in diesem Text verwendet werden, nicht ewige Pein bedeuten, dann bedeuten sie überhaupt nichts."


Auffällig ist: Wenn sowohl Feuer als auch Finsternis vorhanden sind, muss mindestens eines von beiden als Metapher verstanden werden. Sie sind daher kraftvolle Bilder: Feuer als Ort der Vernichtung und der Qualen sowie tiefste Finsternis, weil die Menschen dort für immer verloren sind. Wenn wir also von der Hölle sprechen, reden wir von einem Ort, der sich mit Worten kaum beschreiben lässt. Es ist das "Leben" abseits der Gegenwart von Gottes Güte und Liebe, ein Zustand ohne jegliche Freude oder Zufriedenheit. Ein Dasein, in dem alles Gute fehlt. Wo weder Frieden, Schönheit noch Hoffnung zu finden sind, sondern grenzenlose Verzweiflung unter der vollständigen Herrschaft der Sünde.


Wie gehen wir damit um?


Diese jenseitige Verdammnis ist ohne Frage die schwierigste Lehre, welche Christen, die an der Wahrheit von Gottes Wort festhalten, akzeptieren müssen. Die Vorstellung einer ewigen Qual ist für uns Menschen kaum erträglich. Deshalb ist es meiner Meinung nach komplett fehl am Platz, leichtfertig darüber zu sprechen. Eigentlich kann man sich mit diesem Thema nur mit tiefer Betroffenheit und unter Tränen befassen. Das ist die zumindest Reaktion, die sowohl Mose (Ex 32,32) als auch Paulus (Röm 9,1-3) zeigten. Ihr Herz von solchem Schmerz erfüllt, dass sie lieber selbst von Gott getrennt sein würden, um ihre Mitmenschen zu retten.


Wir dürfen jedoch nicht denken, dass Gott dem Schicksal von Sündern distanziert oder gleichgültig gegenübersteht. Im Gegenteil: In Hes 33,11 (NLB) lesen wir, wie Gott um sein Volk ringt, dass sie sich von allem Böse abwenden und ihm - der Quelle des Lebens - neu zuwenden mögen:


So wahr ich lebe, spricht Gott, der HERR: Ich freue mich nicht über den Tod eines gottlosen Menschen, sondern ich freue mich viel mehr, wenn er sein Verhalten ändert und am Leben bleibt. Kehrt um! Kehrt um und änder euer Verhalten! Warum wollt ihr sterben, Volk der Israeliten?


Ähnlich war es bei Jesus selbst. Kurz bevor er von seinem Volk verworfen und gekreuzigt wurde, weinte er über ihre Blindheit:


Als Jesus die Stadt Jerusalem vor sich liegen sah, weinte er über sie. "Wenn doch auch du heute erkannt hättest, was dir Frieden bringt!", rief er. "Aber jetzt bist du mit Blindheit geschlagen."

(Lk 19,41-42; Hfa - vgl. Mt 23,37-38)


Wieso wird Gott dann überhaupt richten, wenn er doch möchte, dass alle Menschen gerettet werden (1Tim 2,4)? Zum Einen natürlich, weil es Gott um die Verwirklichung von seiner Gerechtigkeit geht, wie wir oben gesehen haben. Zum anderen verkennen wir besonders heutzutage, wie schwerwiegend die menschlichen Sünde in Gottes Augen wirklich ist.


Die Bibel ist diesbezüglich sehr deutlich: Sünde ist Auflehnung gegen unseren Schöpfer und zutiefst verwerflich. Da das Böse mit Gott nicht koexistieren kann, wird Gott dieser Bosheit eines Tages ein Ende bereiten. Der Grund, wieso wir in dieser Welt noch mit so viel Leid und Bosheit konfrontiert sind, ist die göttliche Geduld. Er ist "langsam zum Zorn und reich an Gnade und Treue" (Ex 34,6), sodass er jeder Person Zeit gibt, sich vom Bösen zu trennen und vor der Verdammnis gerettet zu werden.


Das Evangelium: eine wirklich gute Nachricht


Ich liebe es, nachts in den klaren Sternenhimmel zu blicken. Je dunkler es dabei um mich herum ist (also am besten irgendwo in der Natur), desto heller und zahlreicher erstrahlen die Sterne. Genauso ist es mit dem Evangelium: gerade die dunkle Realität von der Verlorenheit des Menschen und der drohenden Konsequenz, dem göttlichen Strafgericht, lässt das Licht der Liebe und Rettung Gottes durch Jesus Christus umso stärker hervorleuchten. Es ist gerade die schlechte Botschaft von Sünde und Gericht, welche das Evangelium so überaus gut erscheinen lässt.


Denn obwohl wir alle Gott durch unser Verhalten abgelehnt und damit auch seine Ablehnung verdient haben, ist es Gottes Herz, uns trotz aller Sünde und Schwachheit nachzugehen, anzunehmen und wiederherzustellen. Deshalb sandte er seinen Sohn, Jesus Christus, auf die Welt, um uns zu retten, indem Jesus an unserer Stelle das Gericht und den Zorn Gottes ertrug (Jes 53,5-6; 2Kor 5,21). Hier dürfen wir aber nicht an einen grausamen Gott denken, der den unschuldigen Menschen Jesus abschlachtete. Das biblische Zeugnis ist klar, dass Gott selbst in Jesus Mensch wurde (siehe meinen Artikel: Jesus - Gott wurde Mensch). Da Jesus Gott ist, war es am Kreuz der Richter selbst, der sich an unserer Stelle richten ließ. Jesus gab sein Leben freiwillig hin (Joh 10,18), damit wir durch ihn das Leben empfangen!


Das ist das Geniale und gleichzeitig Skandalöse am christlichen Glauben. Selbst der schlimmste Verbrecher kann völlige Vergebung empfangen (vgl. Lk 23,29-32), weil Jesus den Preis für unsere Schuld bezahlt hat. Obwohl wir viel in uns selbst viel sündiger sind, als wir es realisieren, sind wir aufgrund dem Glauben an Christus vollkommen gekannt, geliebt und brauchen keinerlei Verdammnis mehr zu fürchten (Röm 8,1). Nichts - absolut nichts - kann uns dann noch von der Liebe Gottes, die wir in Jesus erfahren, trennen (Röm 8,38-39). Deshalb kommt es nicht einfach darauf an, ein netter Mensch zu sein. Was zählt, ist Jesus Christus persönlich zu kennen, weil nur er uns den Zugang zu Gott ermöglicht (Apg 4,12; Joh 14,6). Denn niemand ist so gut, dass er die Rettung durch Jesus nicht nötig hat. Gleichzeitig ist niemand so schlecht, dass Jesus ihn nicht retten könnte!


Somit gilt: Jesus ist das Brot des Lebens (Joh 6,35), ohne ihn zu sein heißt also, zu verhungern. Jesus ist das Licht der Welt (Joh 8,12), ohne ihn zu sein bedeutet Dunkelheit. Jesus ist der gute Hirte (Joh 10,11), ohne ihn zu sein heißt also, alleine und verloren umherzuirren. Jesus ist die Auferstehung und das Leben (Joh 11,25), ohne ihn zu sein bedeutet den ewigen Tod. Jesus ist das Lamm Gottes, dass für unsere Sünden geopfert wurde (Joh 1,29), ohne ihn zu sein heißt also, den Preis für unsere Rebellion selbst zu bezahlen.


Wir sollten daher nicht zögern, sondern unser Leben Jesus Christus anvertrauen, indem wir uns von allem Bösem in unserem Leben abwenden (Buße) und das Erlösungswerk von Jesus im Glauben annehmen. Falls das bei dir noch nicht geschehen ist, ermutigt (und warnt) dich die Bibel: Heute kann der Tag deiner Rettung sein! (2Kor 6,2)


Andere Sichtweisen


Zur Vorstellung von der Hölle als einem Ort der ewigen Qualen gibt es zwei alternative Sichtweisen unter bekennenden Christen. Zum einen die Allversöhnung (bzw. Universalismus), die besagt, dass Gott letztendlich die gesamte Schöpfung sowie alle Menschen in ihr erlösen wird. Zum anderen die Annihilation (= Auslöschung), also die Ansicht, dass die Strafe für die Gottlosen zeitlich begrenzt ist und sie irgendwann einfach aufhören zu existieren. Aus menschlicher Perspektive sind beide Sichtweisen absolut verständlich und sicherlich auch wünschenswert, aber sind sie biblisch zu belegen?


Eine gründliche Auseinandersetzung mit der Schrift zeigt uns, dass es keine ausreichenden Anhaltspunkte gibt, um die oben genannten Aussagen über die Hölle wegzudiskutieren. Vielmehr sprechen die betreffenden Bibelstellen in einem furchtbaren Ernst von einer endgültigen, ewigen Strafe. So sehr uns diese Vorstellung auch missfällt und so schwer es ist, die Hölle mit der Liebe Gottes in Einklang zu bringen - so wenig sind wir als Menschen in der Lage, zu beurteilen, was gerecht ist und was nicht. War die Sintflut gerecht? War es gerecht, dass Usah, der im Alten Testament die Bundeslade vor dem Runterfallen bewahren wollte, von Gott getötet wurde? (2Sam 6,1-9) Für den modernen Menschen wohl nicht. Doch Gott ist Gott und wir tun gut daran, das demütig anzuerkennen (vgl. Dan 4,32; Röm 9,20).


Meiner Meinung nach macht die Bibel (insbesondere Jesus) mehr als deutlich, dass der Mensch tatsächlich verloren gehen kann und wir alles tun sollten, diesem Schicksal zu entfliehen. Wieso sollte Jesus elendig am Kreuz sterben, wenn es nicht wirklich um die ewige Rettung von Menschen ging? Solange wir also hier auf dieser Erde leben, haben wir noch die Möglichkeit, uns mit Gott durch den Glauben an Jesus Christus versöhnen zu lassen. Wer stattdessen am Ende auf die Annihilation bzw. ein einfaches "Tot-Sein" hofft, könnte grausam enttäuscht werden.Heb 10,31 warnt im Hinblick auf den Gottlosen: "Es ist schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen."

Relevanz für heute


Wenn Christen heutzutage von Jesus erzählen, liegt die Betonung meist auf Gottes Liebe und seinem guten Plan für mein Leben. Die negativen Begleiterscheinungen, die mit der Zurückweisung dieser Liebe einhergehen, bleiben in der Regeln unerwähnt. Natürlich ist Liebe das zentrale Motiv für das, was Gott durch Jesus für uns getan hat. Wir werden auch nicht in der Gefahr stehen, seine Liebe überzubetonen. Jedoch können wir einseitig werden und das Evangelium verzerren, indem wir die unangenehmen Wahrheiten weglassen. Und das ist womöglich ebenso fatal, wie wenn wir auf das Gericht hinweisen, ohne die Barmherzigkeit Gottes hochzuhalten.


Ja, ganz viele Menschen brauchen eine tiefe, heilende Begegnung mit der väterlichen (und auch mütterlichen: vgl. Jes 66,13) Liebe Gottes. Doch ich denke, dass einer der Gründe dafür, dass Gott und sein Gericht in unserer Gesellschaft so wenig ernstgenommen werden, die Tatsache ist, dass selbst viele Christen und Kirchen diese Realität verdrängen. Die Wirklichkeit der sogenannten Hölle soll uns zwar nicht in Panik verfallen lassen, aber sie zeigt uns, wie dringend wir Jesus brauchen. Sie motiviert uns zur Buße und zur Gottesfurcht (vgl. Mt 10,28). Sie macht deutlich, wie kostbar das Blut von Jesus wirklich ist. Und nicht zuletzt spornt sie uns zur Evangelisation an.


Denn: "Was Menschen ohne Jesus betrifft, befreit uns nichts von der Aufgabe, ihnen das Evangelium zu verkündigen. Wir können nicht damit rechnen, dass sie [auf irgendeinem anderen Weg] in den Himmel kommen."Ohne Jesus ist der Mensch verloren. Abgesehen von Kindern, bei denen wir viel Grund zur Hoffnung haben, dass sie von Gott angenommen werden (Mt 19,14), haben wir keine Hoffnung darauf, dass verstorbene Menschen ohne Jesus in Frieden ruhen. Doch Jesus hat bereits bewiesen, wie groß seine Gnade ist. Seine Einladung gilt jedem Menschen: "Kommt alle her zu mir, die ihr müde seid und schwere Lasten tragt. Ich will euch Ruhe schenken." (Mt 11,28)


Umso mehr sollten wir also zum Handeln motiviert werden und die Zeit ausnutzen, die uns hier auf der Erde gegeben ist, um diese Einladung in unsere Gesellschaft zu tragen. Paulus sagte über sich: "Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündige!" (1Kor 9,16) Er setzte alles daran, dass Menschen gerettet werden (2Kor 5,20: "Lasst euch mit Gott versöhnen!") Doch nicht nur die Apostel damals, sondern jeder Christ ist Teil die Rettungsmannschaft, durch die Gott diese Welt für seine Liebe erreichen möchte. Du und ich haben einen Auftrag (Mt 28,18-20) und dieser Auftrag will in der Kraft des Heiligen Geistes ausgelebt werden.


Ich bitte uns: Lasst uns das Schicksal von Menschen ohne Christus nicht verdrängen, sondern neu auf unsere Knie getrieben werden, um Fürbitte für sie zu tun. Lasst uns voller Dankbarkeit und Freude darüber nachdenken, wie großartig die Rettung ist, die Jesus uns geschenkt hat! Und wenn Gott fragt, wen er senden soll, um sein Evangelium zu verkünden - in welcher Form auch immer -, lasst uns mutig sagen: "Hier bin ich, sende mich!" (vgl. Jes 6,8)


Ich sehne mich nach einer Generation, die Feuer und Flamme für das Evangelium ist. Die sich mit nichts weniger als Erweckung zufrieden gibt. Unsere Freunde, unsere Familien, unsere Nachbarn - sie alle brauchen Jesus! Lasst uns also nicht zurückhalten, sondern liebevoll, ernst und ohne Verurteilung für die lebensspendende Botschaft des Evangeliums eintreten.


Gott wird die Samen gebrauchen, die wir aussäen. In Jesu Namen!


Be blessed!



 

¹ Ray Comfort (2019): Faith is for weak people. S. 50

² Roland Hardmeier (2020): Die Stadt des Königs. S. 300

³ Die entsprechenden Stellen sind: Mt 5,22.29-30; 10,28; 18,9; 23,15.33; Mk 9,43.45.47; Lk 12,5. Sonst wird das Wort Gehenna nur noch einmal im Neuen Testament gebraucht, in Jak 3,6. Doch vom Gericht Gottes und der Bestrafung ist im Neuen Testament über hundert Mal die Rede.

⁴ Roland Hardmeier (2020): Die Stadt des Königs. S. 283

⁵ Christoph Auffahrt (2000): Hölle. In: Religion in Geschichte und Gegenwart 4. S. 1847f.

⁶ Roland Hardmeier (2020): Die Stadt des Königs. S. 291

⁷ Ulrich Neuenhausen (2022): Die Offenbarung. S. 150

⁸ Ebd., S. 180

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