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Jesus und LGBTQ+ (2): Umgang mit Homosexualität

Im letzten Beitrag haben wir uns vor Augen geführt, welche Aussagen die Bibel zur Homosexualität trifft. Nun stellt sich die Frage: Was bedeuten diese Ergebnisse für das 21. Jahrhundert - sowohl für betroffene Personen als auch den Umgang mit der Thematik in christlichen Gemeinden?


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Solltest du meinen Artikel »Jesus und LGBTQ+ (1): Homosexualität in der Bibel« noch nicht gelesen haben, rate ich dir, das an dieser Stelle erstmal nachzuholen.


In der Auseinandersetzung mit den biblischen Aussagen zur Homosexualität haben wir festgestellt, dass das Ausleben der homosexuellen Empfindungen mit der biblischen Sexualethik nicht vereinbar ist. Gottes gebotener Rahmen für die aktive Sexualität des Menschen ist die monogame Ehe von Mann und Frau. Diese Feststellung wird bereits in der Schöpfung des Menschen sichtbar (1. Mose 1-2) und in den für Christen verbindlichen Aussagen von Paulus und Jesus selbst bestätigt.


Was fangen wir mit dieser kontroversen Sicht auf Sexualität nun an? Und vor allem: wie sieht ein Christus-gemäßer Umgang mit der Thematik aus, sowohl bezüglich existenziell betroffenen Personen als auch christlichen Kirchen?


Zunächst gilt: Gottes Sicht auf (Homo-)Sexualität ist lange nicht alles, was die Bibel homosexuellen Personen mitteilen möchte. Ihr primäres Anliegen ist es vielmehr, eine Person mit dem Evangelium von Jesus Christus vertraut zu machen und sie somit in eine lebendige, wiederhergestellte Beziehung zu ihrem Schöpfer zu führen. Denn die Trennung von Gott aufgrund unseres Fehlverhaltens betrifft keine einzelnen Randgruppen, sondern die gesamte Menschheit. Keine einzige Person ist so makellos, dass sie die Gnade und Vergebung Gottes nicht nötig hätte. Im Gegenteil: wir alle sind Sünder, die Rettung brauchen (Römer 3,10-12) - weshalb Jesus Christus in die Welt kam (1. Timotheus 1,15). Durch ihn hat Gott ein für alle Mal bewiesen, dass er Menschen vollkommen liebt; und zwar unabhängig von Herkunft, Status, Lebensgeschichte oder sexuellem Empfinden.


Wenn wir uns also fragen, wie wir als Christen mit dem Thema Homosexualität umgehen können, ist es meiner Meinung nach wesentlich, diese Wahrheit zu verinnerlichen. Das größte Bedürfnis einer homosexuellen Person ist laut der Bibel nämlich nicht, heterosexuell zu werden. Ihr größtes Bedürfnis ist Jesus Christus, der allein in der Lage ist, uns mit Gott zu versöhnen und ein Sinn-erfülltes Leben zu schenken. Und Jesus streckt Heterosexuellen wie Homosexuellen seine Hand aus, bietet ihnen seine überwältigende Gnade an und ruft sie in seine Nachfolge hinein (was natürlich auch eine Abwendung von Sünde, also Umkehr bzw. Buße, beinhaltet).


Das Evangelium muss deshalb an erster Stelle stehen. Es hat wenig Sinn, einer homosexuellen Person zu einem enthaltsamen bzw. heterosexuellen Lebensstil zu verhelfen, ohne sie mit Jesus Christus vertraut zu machen. Das würde höchstens zur Gesetzlichkeit führen, also dem Versuch, Gott durch eigene Anstrengung zu gefallen. Doch die biblische Botschaft lautet Gnade. Gott liebt, rettet und vergibt uns, obwohl wir es nicht verdient haben. Erst, wenn ich diese Gnade in Jesus kennenlerne, kann ich auch anfangen, im Licht dieser Gnade zu leben.


Mein Fokus in diesem Artikel sind deshalb homosexuell empfindende Christen, also solche, die Jesus Christus als Herrn und Retter ihres Lebens bekennen und ihm nachfolgen möchten. Wie können diese Personen mit ihrer Sexualität umgehen, wie können wir ihnen beiseite stehen und wie sollten sich christliche Gemeinden in der stetig liberaler werdenden Gesellschaft bezüglich dieser heiklen Thematik verhalten?


Christus nachfolgen trotz homosexueller Empfindung


Als Jesus vor 2000 Jahren auf der Erde lebte, verkündete er die frohe Botschaft von Gottes Königreich und forderte die Menschen auf, ihm nachzufolgen (Matthäus 4,18-22; 9,9; Johannes 1,43). Das bedeutete, sich von all den Dingen zu trennen, die einem Leben mit Jesus im Weg stehen (damals z.B. Beruf, Familie, schlechte Angewohnheiten) als auch von Jesus zu lernen und ihn auf seinem Weg durch Palästina zu begleiten. Doch dabei blieb es nicht stehen. Jesus starb, stand am dritten Tag von den Toten auf und lädt bis heute Menschen ein, in der Beziehung zu ihm das wahre Leben zu finden. Es handelt sich dabei - sowohl für homosexuelle als auch heterosexuelle Personen - um "die gleiche Einladung, die Fülle des Lebens in Gott zu finden; das gleiche Angebot von tiefer, wunderbarer, lebensverändernder Liebe."¹


Doch das Leben mit Jesus hat auch seinen Preis. In der Bibel lesen wir davon, wie Jesus seine Jünger ermahnte, die Kosten der Nachfolge im vornherein zu berechnen (Lukas 14,27-29), damit sie nicht durch plötzliche Schwierigkeiten überrascht werden und Jesus frustriert den Rücken kehren. Tatsächlich drückt es Jesus in Lukas 9,23-25 (NGÜ) so aus:


"Wenn jemand mein Jünger sein will, muss er sich selbst verleugnen, sein Kreuz täglich auf sich nehmen und mir nachfolgen. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.

Was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen, wenn er dabei sich selbst ins Verderben stürzt oder unheilbar Schaden nimmt?"


Jesus zu folgen heißt also, ich soll mich selbst verleugnen und mein Kreuz auf mich nehmen? Nicht gerade angenehm. Das bedeutet nämlich, dass das Leben, wie ich es bisher gekannt habe, verwirkt ist. Mein Leben gehört nun nicht mehr mir selbst. Es gehört Jesus. Er hat es geschaffen und durch sein am Kreuz vergossenes Blut erkauft (Galater 3,13; 1. Petrus 1,18-19), sodass ich mit meinem ganzen Dasein (und ausdrücklich der Sexualität, 1. Korinther 6,18-20; 1. Thessalonicher 4,3) Gott verherrliche.


Jesus zu folgen ist gerade deshalb keine Leichtigkeit, weil Du und Ich Begierden in uns tragen (auch sexueller Art), die Gottes guten Absichten entgegenstehen. Das Vorhandensein solcher Gefühle und Bedürfnisse heißt nicht automatisch, dass ich damit sündige. Bei der homosexuellen Orientierung spricht die Bibel lediglich vom Ausleben der Homosexualität und klassifiziert es als Sünde, nicht jedoch die gleichgeschlechtliche Anziehung. Doch in Bezug auf sexuelles Fehlverhalten ist die Lehre des Neuen Testamentes sehr deutlich: Christen müssen sich davon trennen (1. Korinther 6,9-20; 2. Korinther 6,14-7,1; 1. Petrus 1,14-16). Mit dieser Aufforderung sehen sich jedoch nicht bloß homosexuell empfindende Christen konfrontiert. Auch von heterosexuellen Christen wird erwartet, Sexualität im Sinne Gottes zu leben (womit vor- und außerehelicher Sex, entsprechende Fantasien, Ehebruch, pornografische Inhalte und Selbstbefriedigung keine Option darstellen).


Christen mit einer gleichgeschlechtlichen Anziehung sind also keine Sondergruppe von Personen, denen jegliche sexuelle Befriedigung untersagt wird, während bei allen anderen ein oder beide Augen zugedrückt werden. Deshalb widerspricht der homosexuell empfindende, christliche Autor Sam Allberry Christen, die ihm sagen:


"Christsein muss schwerer für dich sein als für mich"

- als ob ich mehr aufzugeben hätte als sie. Doch das Evangelium fordert von jedem von uns alles. Wenn jemand meint, dass das Evangelium ganz gut zu seinem Leben gepasst hat, ohne dass er größere Änderungen an seinem Lebensstil oder an seinen Erwartungen und Zielen vornehmen musste, dann hat er mit echter Nachfolge vermutlich noch gar nicht wirklich angefangen. Und genauso, wie der Preis für jeden gleich hoch ist, wird es auch der Segen sein.²


Ja, die Nachfolge verlangt von jedem Christen etwas ab. Doch wie Jesus selbst deutlich machte: wer sein bisheriges Leben (getrennt von Gott und ausgerichtet auf sündige Begierden) aufgibt, um ihm nachzufolgen, wird das wahre Leben finden. Und uns wird verheißen, dass sich diese Entscheidung eines Tages mehr als gelohnt haben wird (vgl. Matthäus 19,27-29; Offenbarung 21,2-8).


Gesunder Umgang mit der eigenen Homosexualität


Auch wenn eine Person fest entschlossen ist, Jesus über irdische (und sexuelle) Befriedigung zu stellen, heißt das noch lange nicht, dass das Thema nun abgehakt ist. Um genauer zu sein sind homosexuell empfindende Christen normalerweise weiterhin stark herausgefordert, mit der gleichgeschlechtlichen Anziehung so umzugehen, wie es Gott gefällt. Wie kann das aussehen, ohne dass die Person daran zerbricht?


Da ich selbst nur erahnen kann, wie sich dieser innere Konflikt anfühlen muss, möchte ich dir an dieser Stelle zunächst ein paar Bücher empfehlen, in denen homosexuell empfindende und enthaltsam lebende Christen ihr Lebenszeugnis und den Umgang mit der eigenen Sexualität teilen.

  1. Liebe. Total. Ein Aktivist der homosexuellen Bewegung begegnet Jesus von David Benett.

  2. Ist Gott homophob? von Sam Allberry.

  3. Identität: Christ. Orientierung: Schwul. Lebensstil: Enthaltsam von Wesley Hill.

Dennoch möchte ich den Versuch wagen und dir etwas Hilfestellung anbieten.


Erstmal ist es mir ganz wichtig, dass du weißt: als homosexuell empfindender Christ bist du nicht weniger wert in Gottes Augen! Er ist nicht weniger dein Vater und du bist nicht weniger sein Kind. Durch Jesus Christus ist deine Beziehung zu Gott vollkommen wiederhergestellt worden und dich kann nichts von seiner Liebe trennen (Römer 8,38-39). Und ob es sich um herausfordernde Gefühle, Versuchungen oder sogar Versagen handelt: du darfst mit deinem liebenden Vater über alles sprechen. Er meint es absolut gut mit dir und verurteilt dich nicht für deine Kämpfe. Immerhin gibt es keinen Christen ohne Kämpfe.


Auch du selbst solltest dich nicht wegen deinen Empfindungen abwerten. Ja, deine Gefühle und Versuchungen werden vermutlich nicht einfach (durch Gebet) weggehen. Doch nicht das ist es, was uns als Kinder Gottes definiert, sondern die neue Identität, die Jesus uns geschenkt hat. Du bist in Gottes Augen überaus wertvoll (Psalm 139,14; Matthäus 6,26), heilig und tadellos (Epheser 5,27; Kolosser 1,22), und dein himmlischer Vater freut sich über dich (Zefanja 3,17).


Vielleicht zählst du zu den Personen, die tatsächlich gerne heterosexuell empfinden würden und Gott darum bitten, die eigene sexuelle Orientierung zu verändern. Ich glaube, dass eine solche Veränderung möglich ist, wie es zum Beispiel bei Jackie Hill Perry der Fall war.³ Gott kann das definitiv tun und einer ehemals homosexuellen Person Erfüllung in einer heterosexuellen Ehe schenken. Allerdings ist uns dieser Umschwung nirgendwo verheißen worden. Im Gegenteil, es gibt zahlreiche Personen, die einen Wechsel der Gefühle nicht erleben und sich auf einen Lebensstil der Enthaltsamkeit einlassen (müssen). Doch auch hier lässt Gott uns nicht alleine. Sein Heiliger Geist hilft uns, ein Leben im Licht der Gnade und in Einklang mit Gottes guten Absichten zu leben (vgl. Römer 6,6.13; 1. Korinther 6,11).


Hier dürfen wir als Christen zudem lernen, dass es nicht unbedingt das Ziel von Gott ist, eine Person "heterosexuell zu machen". Gottes primäres Anliegen mit seinen Kindern ist es, sie zu heiligen (Johannes 17,17; 1. Petrus 1,14-16) - also in ein Gott hingegebenes Leben zu führen, das Jesus immer ähnlicher wird (Römer 8,29). Und während das für jede Person im Detail unterschiedlich aussieht, bedeutet ein heiliger Lebensstil für homosexuell empfindende (wie unverheiratete heterosexuelle) Personen, ihre Sexualität nicht auszuleben (vgl. Matthäus 19,12; 1. Korinther 6,18-20).


Ein sexuell enthaltsames Leben ist - entgegen der gesellschaftlich populären Meinung - durchaus möglich und muss nicht weniger erfüllend sein. Ja, bei homosexuell empfindenden Christen ist auch die Aussicht auf ein späteres eheliches Ausleben der sexuellen Bedürfnisse nicht gegeben, anders als es bei heterosexuellen Singles in der Regel der Fall ist. Doch es gibt nicht wenige Personen, die auf sexuelle Befriedigung laut Gottes Rahmenbedingungen verzichten müssen: Singles, nicht-verheiratete und verwitwete Personen, sowie Ehepartner, wo eine aktive Sexualität beispielsweise aufgrund einer Krankheit nicht mehr möglich ist. Hier lautet die christliche Botschaft jedoch: wahre, tiefgreifende Erfüllung ist nicht in der Sexualität zu finden, sondern in der Gemeinschaft mit unserem Schöpfer (Psalm 16,11; Johannes 10,10).


Dabei ist es meiner Meinung nach hilfreich, die Perspektive auf das Leben grundlegend anzupassen. Für Menschen, die ausschließlich das Leben im Hier und Jetzt (und somit besonders im Westen die größtmögliche Befriedigung der irdischen Bedürfnisse) im Blick haben, wird eine Einschränkung der Sexualität in der Regel keinen Sinn ergeben - Gott hin oder her. Christen leben jedoch für weit mehr. Gott hat uns durch seinen Sohn das ewige Leben geschenkt (Johannes 3,16), weshalb das Neue Testament dazu ermutigt, den Fokus auf die Ewigkeit zu richten (2. Korinther 5,1; Kolosser 3,2). Diese Perspektive sehen wir auch bei Jesus, als ihm Simon Petrus die Frage stellte, welche Vorteile es habe, das bisherige Leben für Jesus hinter sich zu lassen, um ihm zu folgen. Seine Antwort: alles, was Menschen aufgeben, um für Gott zu leben, wird ihnen in der Ewigkeit vielfach zurückerstattet werden (Matthäus 19,27-29).


Jesus nachzufolgen und auch meine Sexualität nach seinen Vorstellungen auszuleben, wird sich also mehr als gelohnt haben! Doch gleichzeitig ist es wichtig, diesen Weg nicht alleine zu gehen. Vielmehr braucht es andere Christen an der Seite, die einen verstehen und begleiten.


Als Kirche homosexuell empfindende Christen begleiten


Leider gibt es nicht wenige homosexuelle Personen, die mit Gott und Glaube nichts zu tun haben wollen. Der traurige Grund dafür ist Ausgrenzung, Diskriminierung und Verletzung im Namen des Christentums. Die Sichtweise von vielen Menschen aus der LGBTQ+-Szene ist in Bezug auf Gott sogar so geschädigt, dass man sich selbst als Objekt seiner Abneigung betrachtet. Der Gott der Liebe wird - zumeist aufgrund von Fehlverhalten von Christen - nicht als liebevoll wahrgenommen. Damit diese Wunde heilen und der Gott, der aus Liebe zu homosexuell und transsexuell empfindenden Personen sein Leben gegeben hat, neu kennengelernt werden kann, braucht es Christen, die seine überwältigende Liebe neu sichtbar machen.


Das bedeutet, dass christliche Kirchen Orte sein müssen, an denen sich Menschen unabhängig von ihrer Sexualität willkommen fühlen und die einladende Botschaft von Jesus Christus hören. Wir müssen ganz neu alles daran setzen, auch Homosexuelle wissen zu lassen, dass wir für sie und nicht gegen sie sind! Denn normalerweise nimmt die Gesellschaft (inklusive der LGBTQ+-Community) uns Christen als engstirnig, heuchlerisch und hasserfüllt wahr. Jesus hingegen hat uns berufen, unser Licht leuchten zu lassen (Matthäus 5,14-16) und allen Menschen Gutes zu tun (Galater 6,10). An unserer Liebe zueinander werden die Menschen erkennen, dass unser Glaube wahrhaftig ist (Johannes 13,35). Liebloses, selbstgerechtes und verurteilendes Verhalten darf also in keiner Weise gerechtfertigt werden. Hier ist es vielmehr an der Zeit, Buße zu tun und den Lebensstil von Jesus neu nachzuahmen (vgl. Matthäus 9,10-13).


Besonders der Gemeinschafts-Aspekt ist für die liebevolle Annahme und Begleitung von homosexuell empfindenden Christen entscheidend. Da diese Menschen, insofern sie sich zu einem Leben nach biblischen Maßstäben entscheiden, nicht in der Lage sein werden, zu heiraten, stellt vor allem die Einsamkeit bzw. der Bedarf nach zwischenmenschlicher Intimität eine große Not dar. Der Mensch ist nicht für das Alleinsein geschaffen, deshalb braucht es eine gesunde Alternative zur Ehe. Umso wichtiger ist es, dass Gemeinden Orte sind, an denen tiefe Freundschaften möglich sind und eine fürsorgliche Gemeinschaft gefunden wird. Da niemand von uns perfekt ist und wir alle immer wieder neu Gnade und Ermutigung auf unserem Weg mit Jesus brauchen, sollte es uns nicht schwer fallen, auch Personen, die mit ihrer Identität bzw. sexuellen Orientierung kämpfen, sensibel und mitfühlend zu begegnen.


Ebenso muss es selbstverständlich sein, homosexuell empfindende Christen in die Kirche mit einzubeziehen. Solange eine Person (unabhängig von ihrer Sexualität) nicht in einem sündigen Lebensstil verharrt, sollte es in der Regel unproblematisch sein, sie in Mitarbeit und geistliche Verantwortung einzusetzen. Widerspricht die Lebensführung jedoch klar der neutestamentlichen Ethik, sind Christen dazu aufgefordert, das Fehlverhalten liebevoll (!) beim Namen zu nennen (vgl. die Anweisung von Jesus in Matthäus 18,15-18) und der betreffenden Person im Prozess der Umkehr und Heiligung beiseite zu stehen. Meiner Meinung nach sollten Aufgaben und Ämter, die andere Person geistlich prägen, in dieser Zeit nicht ausgeübt werden.


Göttliche Werte in einer liberalen Gesellschaft


Unsere aktuelle Zeit und ihre gesellschaftlichen Entwicklungen bringen eine riesige Herausforderung und massiven öffentlichen Druck für Kirchen mit einem traditionellen Sexualverständnis mit sich. Einerseits gilt es, der von außen geforderten, "vollständigen Akzeptanz der homosexuellen Praxis zu widerstehen, andererseits aber einen respektvollen und liebevollen seelsorgerlichen Umgang mit den Betroffenen zu finden".Meine Einschätzung der Situation ist es, dass die meisten Gemeinden die politische Lage bisher unterschätzt haben und erst allmählich merken, dass sich der Wind gedreht hat. Viele Experten sprechen inzwischen nämlich von einem post-christlichen Westen. Das christliche Abendland? Längst Vergangenheit.


Das Letzte, was ich mit dieser Diagnose bewirken möchte, ist ein lähmender Pessimismus. Ich bin fest überzeugt, dass Jesus nach wie vor auf dem Thron sitzt und von diesen Veränderungen nicht überrascht ist. Immer wieder darf ich auch voller Begeisterung erleben, wie er sein Königreich baut und heute noch großartige Dinge in dieser Welt und inklusive der jungen Generation bewirkt. Doch was wir als christliche Gemeinden in dieser Zeit nicht tun dürfen, ist passiv zu bleiben. Wir wissen nicht, wie sich die gesellschaftliche Lage weiterhin entwickelt, doch gerade jetzt braucht es Christen, die ihr Licht leuchten lassen und die christliche Botschaft in all ihren Facetten neu hochhalten.


Von höchster Bedeutung ist dabei ein mutiges Bekenntnis zum Wort Gottes. Während nicht wenige Kirchen die biblischen Lehren leider hinter sich lassen (vgl. 2. Timotheus 4,3) und somit eine uneingeschränkte Befürwortung der homosexuellen Praxis vertreten, muss es die Aufgabe von ernsthaften Christus-Nachfolgern sein, an Gottes Wort festzuhalten (Johannes 8,31-32; vgl. Jeremia 23,22.28-29) - ob wir nun Applaus oder Hass ernten. Hier teile ich folgende Überzeugung: „Für die Zukunft der Gemeinde ist es entscheidend, dass wir von der Zuverlässigkeit der Schrift, von ihrem geistlichen Wert für unser Leben und auch von ihrer intellektuellen Kraft zutiefst überzeugt sind.“Und laut der Bibel ist (sexuelle) Sünde in Gottes Augen nach wie vor eine sehr ernste Angelegenheit (Matthäus 5,27-30; 1. Korinther 6,9-10; Offenbarung 21,8).


Deswegen steht es auch nicht im Widerspruch zueinander, allen Menschen mit Liebe und Annahme zu begegnen und dennoch gewisse Dinge nicht gutzuheißen. Wie wir es bei Jesus Christus, der Liebe in Person, sehen, nahm er selbst die gesellschaftlich missachtetste Person voller Erbarmen an - wie etwa im Fall der Ehebrecherin. Doch gleichzeitig forderte Jesus sie auf, einen radikalen Bruch mit ihrem Fehlverhalten zu machen (vgl. Johannes 8,2-11). Als Gemeinde haben wir denselben Auftrag: Sünder lieben, ohne ihre Sünde zu bejahen. Nach wie vor sind wir deshalb dazu aufgerufen, eine biblische Sexualethik zu vertreten; auch, wenn das vielen nicht schmecken wird, wie Jesus es uns bereits ankündigte (Johannes 15,18-21).


Zur gleichen Zeit stellt die moderne Zeit eine große Gelegenheit für christliche Kirchen dar, eine alternative Art von Gesellschaft zu sein. Tatsächlich ist genau das die DNA von Kirche, anders als es den meisten Menschen in Westeuropa bewusst ist. Wir leben zwar in dieser Welt, aber sind durch unsere Verbundenheit mit Christus nicht mehr von dieser Welt (Johannes 17,16). Deshalb darf es nicht verwundern, wenn sich unsere Weltanschauung und Ethik von unseren nicht-christlichen Mitmenschen teils stark unterscheidet.


Hier liegt es jedoch an uns, die rettende Botschaft sowie göttliche Werte klar zu bekennen, (homosexuell empfindende) Christen zu begleiten und inmitten des gesellschaftlichen Drucks den Weg der Christusnachfolge zu gehen.


Möge uns Gott viel Liebe, Kraft und Weisheit dazu schenken, damit sein Licht durch uns leuchtet!


 

¹ Sam Allberry (2020): Ist Gott homophob?, S. 15

² Ebd. S. 18

³ Ihre Lebensgeschichte beschreibt Jackie Hill Perry in ihrem Buch Gay Girl, Good God, das auch auf Deutsch unter dem gleichen Titel verfügbar ist.

⁴ Markus Till (2019): Zeit des Umbruchs, S. 153

⁵ Reinhard Spincke (2020): Gemeinde der Zukunft, S. 92

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